Wieviel Strom verbraucht ein Gaming PC?

Bei Gaming-PCs muss man neben den Anschaffungskosten auch die Folgekosten durch den Stromverbrauch kalkulieren. Bei einer schlechten Wahl an vermeintlich günstigen Komponenten kommt mit der Jahresabrechnung möglicherweise eine böse Überraschung.

Doch wie viel Strom verbraucht ein Gaming-PC eigentlich?

Die Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, spielen doch unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Bei der Auswahl der Komponenten achtet man in der Regel auf die angegebenen Wattzahlen. Diese Werte sagen aber meist wenig über den tatsächlichen Verbrauch aus, zeigen aber in etwa, wie viel die Hardware unter Volllast verbrauchen kann.
Wesentliche Faktoren für den Stromverbrauch eines Gaming-PCs sind die Nutzungsdauer, die Art der Nutzung und der maximale Verbrauch sowohl unter Volllast als auch im Leerlauf.

Nutzungsdauer und Nutzungsart

Bei der Wahl der Komponenten für einen neuen Gaming PCs bekommt man in der Regel einen guten Überblick darüber, welche Teile wie viel Watt benötigen. Denn danach richtet sich entsprechend auch die Wahl des richtigen Netzteils. Aber ein 500 Watt-Netzteil verbraucht nicht zwangsläufig auch durchgehend 500 Watt, sondern passt sich an den jeweiligen Verbrauch der daran angeschlossenen Komponenten an. Ähnlich wie ein Kühlschrank nur dann viel Strom verbraucht, wenn er in der kühlenden Phase ist. Daher ist es wichtig zu beachten, wie viele Stunden der Computer am Tag oder in der Woche läuft und wie er in dieser Zeit benutzt wird.

Ein Computer, der nur während seiner aktiven Nutzungsdauer auch genutzt wird, verbraucht auf lange Sicht gesehen weniger, als Computer die den ganzen Tag laufen aber nur phasenweise genutzt wird. Andersherum kann ein Computer, der den ganzen Tag eingeschaltet, aber nur für Surfen und Office genutzt wird, weniger verbrauchen, als ein Gaming-PC, der in beispielsweise zwei Stunden Laufzeit durchgehend mit Spielen ausgelastet wird.

Das liegt daran, dass heutige PCs weitgehend den Stromverbrauch drosseln, sofern die Komponenten nichts zu tun haben. Texterstellung oder einfaches Surfen beanspruchen die Hardware kaum. Teilweise schalten sich Grafikkarten hier fast vollständig ab und verbrauchen nur noch wenige Watt. Auch die CPU schaltet in den Energiesparmodus und ungenutzte Festplatten schalten sogar vollständig ab. So verbraucht ein so genutzter Gaming PC nur noch 50-100 Watt.

Wird jedoch ein aufwendig gestaltetes Spiel eingeschaltet, versucht die Grafikkarte so viele Bilder pro Sekunde auf den Monitor zu bringen, wie es die GPU erlaubt, abhängig von der Qualität der 3D-Objekte. Dabei geht die Grafikkarte auf Maximallast und -verbrauch und verschlingt alleine schon bis zu 300 Watt. Dazu kommt die CPU mit bis zu 100 Watt und auch das Mainbaord, Laufwerke und weitere Hardware laufen nun auf Hochtouren mit bis zu 50 Watt.

Wahl der Hardware

Neben der Nutzungsart und -dauer spielt natürlich auch die verbaute Hardware eine Rolle. Je aktueller die Komponenten sind, desto stromsparender sind sie in der Regel. Eine Ausnahme bilden Komponenten der Firma AMD. Auch wenn man hier gerne von Klischees spricht und oft auf AMDs schlechten Ruf in Sachen Effizienz herumreitet, kann man nicht abstreiten, dass die aktuellen Top-CPUs von AMD mit 220 Watt einen mehr als doppelt so hohen Verbrauch haben als die aktuell leistungsstärkste Verbraucher-CPU von Intel mit 95 Watt. Ähnlich verhält es sich im Vergleich zwischen AMD- und Nvidia-Grafikkarten.
Allerdings bedeutet die Wahl von Intel und Nvidia-Hardware oftmals einen erheblichen Aufpreis gegenüber dem Konkurrenten AMD.
Was jedoch viele nicht beachten: Was man beim Kauf an Geld einspart, kann über die Nutzungsdauer von durchschnittlich vier oder mehr Jahren in Form von Stromkosten deutlich teurer zu stehen kommen. So spart man auf lange Sicht mehr Geld, wenn man beim Kauf mehr ausgibt. Langfristig ist Geiz dann doch nicht mehr so geil.

Effektive Stromkosten eines Gaming PCs berechnen

Nun haben wir die wichtigen Aspekte angesprochen, die den Stromverbrauch eines Gaming-PCs ausmachen. Nun gilt es, den Stromverbrauch auch richtig zu berechnen. Hierfür zählen wir den Stromverbrauch der einzelnen Komponenten zusammen. Nehmen wir bei der CPU einen Verbrauch von maximal 95 Watt, wie er bei aktuellen Top-Modellen üblich ist. Bei der Grafikkarte wählen wir ebenfalls den durchschnittlichen Verbrauch der Spitzenmodelle mit 250 Watt. Dazu kommt noch das Mainboard mit seinen Komponenten mit maximal 30-50 Watt. Zählen wir noch die sehr sparsamen Festplatten und einen Monitor hinzu, können wir einen Gesamtverbrauch von 400 Watt festhalten.
Nun müssen wir zum einen wissen, wie lange der Computer aktiv unter Volllast läuft und wie viel Cent pro Kilowattstunde der Strom im Haushalt kostet.
Für unser Beispiel sagen wir, der Computer wird von einem Jugendlichen jeden Abend für 4 Stunden aktiv genutzt und die Familie bezahlt rund 28 Cent pro Kilowattstunde.
Die Rechnung ist recht einfach:
400 Watt = 0,4 kWh
(0,40 kWh * 4 h) * 0,28 € = 0,448 € pro Tag.

Somit haben wir pro Tag ungefähr 45 Cent Stromkosten. Dies mit 365 Tage multipliziert ergibt 164,25 € für ein Jahr.
Halten wir an unseren 4 Jahren Nutzungsdauer fest, ergibt das 656 Euro reine Stromkosten für unser Beispiel-PC.
Nutzen wir in unserem Beispiel die leistungsstärkste AMD-CPU mit 125 Watt zusätzlichen Verbrauch, ergibt das 202,48 Euro Mehrkosten gegenüber der Intel-CPU. Beim AMD-Prozessor FX-9590 spart man aktuell zwar rund 100 Euro gegenüber dem Intel 6700K, jedoch zahlt man über 4 Jahre um die 100 Euro nur an Stromkosten drauf. Grafikkarten wirken sich über lange Sicht noch wesentlich erheblicher aus.

Möchte man die Stromkosten noch genauer berechnen, muss man wissen, wie viel die einzelnen Komponenten im Leerlauf verbrauchen und berechnet dann die Zeit, in der ein Computer nur wenig genutzt wird. Nun rechnet man die Stromkosten des Leerlauf-Verbrauchs mit den Stromkosten unter Volllast zusammen und hat einen genaueren Vergleichswert. Günstigere Hardware verbraucht im Leerlauf meist mehr und sollte nicht als zu geringfügig unterschätzt werden.

Diese Rechnung sollte man vor jedem Kauf eines Gaming-PCs anstellen und dabei Unterschiede zwischen teureren, aber stromsparenden Komponenten auf lange Sicht aufstellen. So kann man gut vergleichen, ob man durch einmalige Mehrausgaben über die gesamte Nutzungsdauer nicht doch einiges an Geld sparen kann.