Prozessoren Vergleich für Gaming PCs

Vom kleinen Einmaleins bis hin zur tausendsten Primzahl, nahezu alle zentralen Rechenprozesse werden von der CPU (Central Processing Unit) ausgeführt. Sie ist nicht nur das Herzstück eines PCs sondern auch dessen Gehirn. Der Prozessor bestimmt maßgeblich wie leistungsfähig Euer Gaming PC ist. Durch die Verankerung und enge Verbindung mit dem Mainboard bildet der Prozessor das Grundgerüst eines PCs, welches daher umso sorgfältiger ausgesucht werden sollte. Eine Grafikkarte ist bei Bedarf schnell gewechselt, was daher ein Update leicht macht, will man seine CPU wechseln oder updaten, kommt ein deutlich höherer Aufwand zum tragen.
Daher gilt besonders bei CPU und Mainboard: wer günstig kauft zahlt mit zukünftiger Leistung und hohem Aufwand.
Damit ihr genau den passenden Prozessor für euren Gaming-PC findet, haben wir euch alle wichtigen Größen, hilfreiche Tipps und aussagekräftige Hinweise, sowie aktuelle Empfehlungen ausgearbeitet. Besonders wichtig beim CPU ist das Preis-Leistungs-Verhältnis, da es ohne Probleme möglich ist, CPUs für 900€ zu kaufen, welche kaum einen spürbaren Nutzen gegenüber ihren 400€ Kollegen haben.

Der ewige Kampf: Intel oder AMD?

Seit Jahren liefern sich die beiden Hersteller ein Kopf an Kopf rennen in Sachen: Leistung, Temperatur, Leistungsaufnahme und Architektur. Prinzipiell wird die Frage nach dem Hersteller oft vom Budget und dem eigenen Glauben bestimmt. Ähnlich wie bei Grafikkarten bietet auch hier AMD die Prozessoren, deren Preis-Leistungs-Verhältnis ein wenig besser ist. Dafür verbrauchen sie oft mehr Strom, werden wärmer und bringen weniger Leistung. Intel ist daher für Gaming-PCs mit hohem Budget oft die bessere Wahl.

2, 4 oder mehr Rechenkerne?

Vereinfacht man die Funktionsweise einer CPU bleibt am Ende die Aussage stehen: je mehr Kerne man hat, desto mehr Leistung hat die CPU. Jeder Kern kann unabhängig zu den anderen Kernen Rechenoperationen vornehmen und so fundiert die reine Logik schon diese stark vereinfachte Aussage. Acht Rasenmäher mähen ein Fußballfeld nun mal schneller als vier. Ganz pauschalisieren lässt sich die Aussage mehr ist gleich besser, aber doch nicht, da jedes Programm nur eine bestimmte Anzahl von Prozessoren unterstützt. Was nützen mir acht Rasenmäher, wenn ich nur Benzin für vier habe? Daher hängt die Antwort auf die Frage 2, 4 oder mehr stark von den Programmen ab, die ich nutzen möchte und natürlich von meinem Budget. Zweikern-CPUs sind heutzutage nur noch für Office-PCs und kleine, mobile Laptops geeignet. Fürs Gaming sind sie ebenso, wie AMDs Dreikerner überholt. Vierkern-Prozessoren bilden heute das stabile Rückgrat der PCs. Sie sind für die meisten Anwendungen geeignet, bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und sind am weitesten ausgereift. Sechskern-CPUs sind noch ein Stück besser als Vierkerner, kosten jedoch mehr und werden nur von etwa 30% aller Spiele unterstützt. Die Zahl ist jedoch zunehmend, daher sollte man über einen Kauf ernsthaft nachdenken, wenn man das entsprechende Budget hat. Acht- oder noch mehr Kerne sind normalerweise Business-PCs und Servern vorbehalten und teuer. Sie liegen zwar meist noch vor der Leistung der Sechskerner haben aber ein noch schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis und sind daher nur in seltenen Fällen eine Empfehlung.

Empfehlenswert für Low- und Mid-Budget PCs sind 4-Kern-Prozessoren, für den Highend 3000 Euro PC sollte es dann aber auch die 6- oder 8-Kern-CPU sein.

Taktrate

Die Taktrate gibt an wie viele Rechenoperationen eine CPU in einer Sekunde ausführen kann. Verdeutlicht man sich die Arbeitsweise eines Computers bestehen alle Berechnungen aus 1 und 0, wahr oder unwahr. Ein Prozessor mit 1 Hz kann somit pro Sekunde eine Entscheidung treffen und damit eine Rechenoperation ausführen. Hat der Prozessor 1 GHz sind dies schon 1.000.000.000 Operationen pro Sekunde. Gebildet wird der Prozessortakt durch den Takt des Front-Side-Bus und dem Multiplikator. Anhand eines zugegebenermaßen alten Intel Pentium 4 ergibt sich folgende Rechnung: 200 MHz FSB-Takt (Front-Side-Bus) mal den festen Multiplikator 16, ergibt eine CPU-Taktrate von 3.200 MHz.

Für das Übertakten einer CPU ist besonders dieser Multiplikator interessant. Intel bietet Modelle mit freiem (selbst bestimmbaren) Multiplikator an, welche sich hervorragend zum Übertakten eignen. Diese Modelle sind mit einem „K“ (z.B. i7-4770K) gekennzeichnet und kosten einen geringen Aufpreis zu den Standardmodellen.
Allgemein lässt sich sagen eine höhere CPU-Taktrate bedeutet mehr Leistung. Jedoch sollte man nicht nur Wert auf einen möglichst hohen Takt legen, sondern auch auf Optimierungstechnologien wie beispielsweise Turbo-Boost und Hyper-Threading achten.

Die Prozessor-Architektur

Im Laufe der Jahre hat sich die Architektur der CPU häufig geändert und wird selbst heute noch optimiert. Die Einzelteile werden neu angeordnet, neu designt und weiter verkleinert. Dadurch werden die Signalwege verkürzt und der Prozessort-Takt kann weiter gesteigert werden. Durch diese Updates arbeiten neue Prozessoren deutlich effizienter als ältere und sind daher interessanter für leistungshungrige Anwender.

Generell sind neuere Architekturen somit Leistungsfähiger als ältere und sollten beim Kauf bevorzugt werden.

Der Zwischenspeicher – Cache

Damit die CPU ungestört rechnen kann, ohne das sich ein Datenstau zum RAM (Random Access Memory) bildet, wurde der Zwischenspeicher (Cache) eingeführt. Beim Cache handelt es sich um einen kleinen, aber sehr schnellen Datenspeicher, welcher direkt auf der CPU sitzt. In aktuellen Prozessoren werden bis zu drei dieser Zwischenspeicher verbaut, welche unterschiedliche Größen und Zugriffszeiten (Geschwindigkeiten) besitzen. Der Level-1-Cache ist auf direktem Wege mit den Kernen der CPU verbunden und ist besonders schnell, aber nicht groß. In ihm lagern die stetig genutzten Kernbefehle eines Computers, auf welche besonders schnell zugegriffen werden muss. Der Level-2-Cache ist ein sehr viel größerer, nachgelagerter Speicher, welcher mit Programmdaten beschreiben wird. Hier lagert die CPU Daten aus, welche schon berechnet sind, jedoch noch benötigt werden oder noch nicht abtransportiert wurden. Je mehr oder je aufwendigere Programme laufen, desto mehr Speicher benötigt der Level-2-Cache. Ein großer Level-2-Cache ist somit für einen Gaming-PC wichtig. Der Level-3-Cache ist äquivalent zum Level-2-Cache und dient ebenso als Programmdatenspeicher und sollte daher ebenso leistungsfähig und groß sein.

Der richtige CPU-Sockel

Der Sockel einer CPU ist die Verbindung der CPU mit dem Mainboard. Er bestimmt nicht nur welches Mainboard zur CPU passt, sondern auch wie schnell die Daten der CPU abtransportiert und anderen Komponenten zur Verfügung gestellt werden. Genaue Erläuterungen und Empfehlungen zu den einzelnen Sockel-Typen findet ihr im Abschnitt Mainboard. Wichtig ist an dieser Stelle nur, dass die CPU-Auswahl die Mainboard-Auswahl stark beeinflusst, da bestimmte CPUs nur auf die entsprechenden Sockel passen.

Kaufempfehlungen CPUs für Gaming PCs

Nach der Auswertung aller oben genannter Merkmale, haben wir jeweils einen AMD und einen Intel Kauftipp für unter 100€, unter 200€, unter 300€ und über 300€ für euch.

Unter 100€

AMD: Athlon X4 860K Black Edition
Der Athlon X4 860K Black Edition ist auch heute noch ein Tipp in diesem Preissegment. Er passt auf einen FM2+ Sockel und ist sehr übertaktungsfreudig. Für Spieler mit kleinem Budget, aber Übertakterambitionen eine echte Empfehlung.
Intel: Core i3-4150
Der kleine Zweikerner ist zwar deutlich sparsamer als die AMD-Alternative, verliert aber in fast jedem andern Vergleich. In diesem Preissegment hat AMD eindeutig die Nase vorn und sollte bevorzugt werden.

Unter 200€

AMD: FX 8350
Für Spieler eine gute Alternative zu Intel-CPUs bietet der FX 8350, welcher auf FM2+ Sockel passt. Der Prozessor ist zwar keine Offenbarung in Sachen Rechenleistung, aber ein sinnvoller Kombi-Prozessor zu einem guten Preis.
Intel: i5-4460
Intels Einstieg in die Quadcore-Prozessor startet erst bei etwa 170€ und bietet nur niedrig getaktete Prozessoren mit wenig Übertaktungspotential. Für mal über und mal unter 200€ ist der Core i5-6500 die moderne, aber auch teurere Alternative.

Unter 300€

AMD: FX 9590
Der momentan leistungsstärkste AMD-Prozessor ist kaum teurer als der i5-6500 und bietet eine ähnliche Leistung. In Sachen Preis-Leistung immer noch eine Empfehlung, betrachtet man die reine Leistung bietet Intel interessantere Modelle.
Intel: Skylake-Prozessor i5-6600K
Der neuste Intel i5 Sprössling kostet nur wenig mehr als der FX 9590, bringt jedoch mehr Leistung und ist dank neuer Architektur zukunftssicherer. Hauptnachteil ist jedoch der niegelnagelneue Sockel, welcher wenig Mainboards mit DDR3 Unterstützung bietet. Ältere Alternative mit ähnlicher Leistung: Core i5-4690K.

Über 300€

AMD: Leider bietet AMD keine Spitzenmodelle in dieser Preisklasse mehr an. Die Konzernleitung beschloss bereits vor einigen Jahren dieses Feld allein Intel zu überlassen.
Intel: i7 6700K
Mit etwa 350€ schlägt Intels neuster High-Budget-Prozessor zu Buche und bringt genau das, was der Preis vermuten lässt. Für PCs mit hohem Budget eine klare Empfehlung. Jedoch gilt auch hier die Beschränkung des i5-6600K im Bezug auf die Mainboard- und RAM Auswahl.

Intel: i7 5960X
Dieser Prozessor kostet mit etwa 1.000€ so viel wie komplette Gaming-PCs und ist somit nur für Enthusiasten mit dickem Portmonee geeignet. Dafür erhält man den momentan stärksten Prozessor auf dem Heimanwender-Markt.

Kennt Ihr schon unseren kompletten Ratgeber „Gaming PCs zusammenstellen„?