Mechanische Gaming Tastaturen

Mechanische Gaming Tastatur – Ratgeber 2017

Der Kauf einer Gaming Tastatur kann zu einem Kampf werden. Der Markt ist überfüllt und es gibt dutzende Hersteller, die gute Geräte anbieten. Dazu gibt es natürlich auch Hersteller, die ihre Produkte zu überteuerten Preisen anbieten. Ein kleines Geheimnis dreht sich immer noch um mechanische Gaming Tastaturen. Diese wirken auf den ersten Blick lediglich teuer und ohne wirklichen visuellen Vorteil. Beschäftigt man sich jedoch einmal näher mit den mechanischen Produkten für das Gaming, merkt man, dass es dutzende Unterschiede gibt und der durchaus hohe Preis gerechtfertig ist.

Wir möchten Euch durch den Dschungel an Angeboten führen, die wichtigsten Begrifflichkeiten erklären und Marketing-Erfindungen aufklären. Viel Spaß mit unserem Ratgeber rund um mechanische Gaming Tastaturen.

Rubberdome Gaming Tastatur oder mechanische Gaming Tastatur?

Zuallererst möchten wir uns den Unterschied zwischen normalen und mechanischen Tastaturen widmen. Eine normale Tastatur besitzt Tastenkappen, die auf einer kleinen Kuppel aus Silikon oder Gummi befestigt liegen. Bei Betätigung der Taste drückt die Tastenkappe auf die Gummikuppe, dieser wiederum wölbt sich nach unten, löst einen elektrischen Kontakt aus und die Tasteneingabe wird weitergegeben. Nach der Betätigung wölbt sich die Kuppel wieder nach oben.

Bei einer mechanischen Tastatur sitzt unter der Tastenkappe ein mechanischer Einzelschalter. Darunter sitzt eine Spiralfeder, die den „Switch“ wieder nach oben drückt, sobald der Druck von der Taste genommen ist.

Die Vorteile einer mechanischen Gaming Tastatur

Langlebigkeit

Eine mechanische Tastatur ist einer normalen Tastatur in der Lebensdauer deutlich überlegen. Der Mechanismus einer Rubberdome-Tastatur fängt bei Vielschreibern bereits nach wenigen Monaten an auszuleiern, sodass Tasteneingaben nicht richtig erkannt werden und sich die Nutzung nicht mehr optimal anfühlt.

Ein mechanischer Switch bietet statt ca. 2-4 Millionen (Rubberdome), eine durchschnittliche Lebensdauer von 50 Millionen Tastenanschlägen. Somit ist eine mehr als zehnfache Lebensdauer garantiert – je nach verbautem Switch.

Stabilität

Mechanische Gaming Tastaturen halten deutlich mehr aus als herkömmliche Geräte. Im Höhepunkt des Spiels kann es schnell gehen und bei einer Niederlage muss die Tastatur auch einige festere Betätigungen aushalten können. Genau hier bieten mechanische Tastaturen zwei unterschiedliche Bauweisen an:

  • PCB mounted Switch
  • Plate mounted Switch

Bei der PCB Bauweise liegen die mechanischen Switches direkt auf der Schalteinheit der Tastatur, die Platine. Die Tastaturen sehen deutlich besser aus, da ein Teil des Switches unten sichtbar ist und die Tastatur „offener“ aussieht. Die am stabilsten genutzte Bauweise sind die plate mounted Switches. Hier wird zwischen Switch und Platine eine Metallplatte gesetzt, die die Tastatur nicht nur schwerer, sondern auch stabiler macht. Bei Betätigung des Switches kann es manchmal zu einem hellen Nachklingen kommen, wenn der Switch auf die Metallplatte trifft.

Beide Bauweisen können wir empfehlen, würden aber Gamern, die der Tastatur auch mal heftiger zusetzen, eine Gaming Tastatur mit plate mounted switches empfehlen.

Haptik

„Wer einmal auf einer mechanischen Tastatur getippt hat, möchte nie wieder auf einer normalen tippen.“ Diesen Satz hört man oft und er ist auch zutreffend. Mechanische Tasten bieten je nach Bauart („Farbe“ des Switches) eine deutliches Klicken (akustisch und taktil) ein reines haptisches Feedback (taktil) oder lediglich einen verlängerten Tastenweg und die eigentliche Mechanik des Switches (linear). Auf die Unterschiede einzelner mechanischer Switches gehen wir im weiteren Verlauf des Textes ein.

Auch im eSport und bei Spielern die einen kompetitiven Ansatz verfolgen sind mechanische Tasten die erste Wahl. Zusammenfassend: Mit mechanischen Tasten kann deutlich angenehmer geschrieben und gezockt werden.

Nachteile einer mechanischen Gaming Tastatur

Preis

Der hohe Anschaffungspreis ist für uns der größte Nachteil. Mittlerweile findet man bereits mechanische Tastaturen ab 30 Euro. Diese können wir aber nicht empfehlen, da diese von chinesischen Händlern verkauft werden und oftmals Elektronik-Fehler und schlechte Bauteile aufweisen. Für eine solide mechanische Tastatur sollte man mindestens 70 Euro einplanen. Das kann bis zu 200 Euro und mehr aufwärts gehen.

Informationsstandard

Es mag komisch klingen, aber wer eine mechanische Tastatur kaufen möchte, sollte sich vorher auch damit beschäftigen. Es gibt sehr viele Unterschiede, angefangen bei den Features über das Layout bis hin zu den vielen mechanischen Switches, die derzeit auf dem Markt angeboten werden. Natürlich kann man auch eine Tastatur kaufen, die einem optisch gefällt und in den Preisrahmen passt, jedoch wird diese Wahl selten zu einem vollkommen zufriedenen Ergebnis führen.

Größen einer mechanischen Gaming Tastatur

Mechanische Tastaturen bieten nicht nur eine komplett andere Haptik, sie werden auch in verschiedenen Größen verkauft. Um das Ganze übersichtlich zu gestalten, konzentrieren wir uns auf die drei wichtigsten Größen, die für Gamer interessant sind. Alle drei bieten verschiedene Vor- und Nachteile, auf die wir eingehen möchten.

100% mechanische Gaming Tastatur

Normale Geräte, die über den vollen Funktionsumfang und alle Tasten verfügen. Durch das schon hohe Grundgewicht stehen diese Tastaturen stabil auf dem Tisch und können auch für den Office-Betrieb genutzt werden, da ein NUM-Block standardmäßig an der rechten Seite verbaut ist. Auch Makro- und Funktionstasten sind in der Regel Standard.

80% Tenkeyless Gaming Tastatur

Tenkeyless Tastaturen überzeugen durch innere Werte. Der NUM-Block wird hier bewusst weggelassen, um Gamern ein besseres Zusammenspiel zwischen Tastatur und Maus zu gewährleisten. Eine TKL-Tastatur wird nur für das Gaming oder zum Programmieren genutzt, da im Office-Betrieb der fehlende Nummernblock schnell auffallen wird. Auch ein Transport ist deutlich entspannter, da die Tastatur viel weniger Platz wegnimmt und leichter ist.

60% Tastatur

Diese Tastaturen bieten Spielspaß auf kleinstem Raum. Neben dem Nummernblock fehlen hier die F-Tasten. Das macht die Tastatur für den Office-Betrieb so gut wie unbrauchbar. Die Tastatur ist hervorragend für das Gaming geeignet, jedoch bieten nur recht wenige Hersteller eine solche Tastatur an. Selbst Tenkeyless-Tastaturen gibt es nicht wie Sand am Meer und im deutschen Raum wird man kaum eine 60% Tastatur antreffen.

Mechanische Switches: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Was mechanische Gaming Tastaturen ausmacht, sind die verbauten Schalter in den Geräten. Es hat sich geradezu ein Dschungel aus Halbwahrheiten gebildet, der nur schwer zu durchblicken ist. Welche Schalter gibt es? Welche Farben gibt es? Was unterscheidet mechanische Switches voneinander? Welche Switches sind die besten?

Viele Fragen, die wir versuchen alle zu beantworten und gleichzeitig möchten wir auch das Geheimnis um Eigenproduktionen der verschiedenen Hersteller lüften.

Wofür steht das MX vor manchen Switches?

Um mit den Begrifflichkeiten anzufangen, müssen wir einen kleinen Schwenker in die Vergangenheit machen. Die deutsche Firma Cherry stellt die bekanntesten und qualitativ hochwertigsten Switches her. Diesen wurde das Kürzel MX verliehen, um sie von anderen Switches abzugrenzen. In den vergangenen Jahren haben sich Cherry MX-Switches zu Qualitätsträgern entwickelt und sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet.

Dennoch strömen immer mehr Anbieter von mechanischen Switches auf den Markt, sodass Hersteller von mechanischen Tastaturen mittlerweile die Wahl haben, wo sie sich die Switches kaufen. Da Cherry jedes Jahr dieselbe Anzahl an Switches herstellt und es immer mehr Verkäufer von Tastaturen gibt, hat sich eine Verknappung der Switches entwickelt, da die Nachfrage größer als das Angebot war. Dementsprechend sind auch die Preise für MX-Switches gestiegen und der Markt war offen für andere Anbieter.

Mittlerweile verbauen Hersteller wie Razer, Logitech, Roccat und einige weitere so gut wie keine Cherry MX-Switches mehr. Unserer Meinung nach unterschieden sich Cherry Switches in der Haptik kaum von anderen, wie z. B. Kahil-Switches. In der Langlebigkeit gibt es jedoch Unterschiede.

Da die Cherry-Switches die Originalen sind, führen wir Euch anhand dieser Switches durch die unterschiedlichen Farben. Manche Hersteller haben die Farben 1/1 übernommen, jedoch gibt es auch Ausnahmen wie Razer, die ihren Switches eine eigene Farbe gegeben haben – mehr dazu später.

Wir stellen Euch die beliebtesten Farben der Switches vor:

Blue Switches

Cherry MX-Blue Switches für mechanische Tastaturen sind die Schalter mit dem höchsten Wiedererkennungswert. Das liegt nicht an ihrer blauen Farbe, sondern an dem lauten Klicken, das die Schalter bei Betätigung wiedergeben. Das Klicken erinnert an die damaligen Schreibmaschinen. Aus diesem Grund sind die Blue Switches sehr gewöhnungsbedürftig – entweder man liebt oder man hasst sie.

Der Schalter hat taktiles und hörbares Feedback. Das heißt, dass man im Finger Feedback spürt, wenn der Klick ausgelöst wird und gleichzeitig ein hörbares Klicken vernommen wird. Um den Federwiderstand zu überwinden sind 50g nötig, für die Gewichte hingegen 60g.

Das laute Klicken schränkt die Nutzung der blauen Schalter durchaus ein. YouTuber und Streamer werden diese nicht nutzen können, ebenso wenig Personen, die in einem Großraumbüro sitzen. Mehrfachklicks sind bei den Blue Switches nicht möglich. Vielschreiber sind bei den blauen Schaltern genau richtig und es gibt mittlerweile viele Verfechter dieser Schalter, da für diese das Klicken der blauen Switches zu einer mechanischen Tastatur „dazugehört“.

Brown Switches

Die braunen Schalter sind die beliebtesten Switches in Europa. Durch das fehlende akustische Feedback, sind die Switches deutlich leiser als die blauen. Ein taktiles Feedback findet jedoch statt, sodass der Nutzer immer weiß, wann die Taste ausgelöst wird. Der Widerstand der Feder liegt bei 45g und der Widerstand des Schaltpunkts bei 55g.

Der größte Vorteil der braunen Switches liegt in der Möglichkeit der Mehrfachklicks. Mit ein wenig Übung kann der Switch kurz über dem Schaltpunkt gehalten werden und bei minimaler Krafteinwirkung, wird die Taster ausgelöst. Das ist gerade in schnellen Spielen sehr hilfreich, erfordert jedoch einiges an Übung.

Die braunen Schalter sind die perfekte Wahl für Käufer, denen die blauen Schalter zu laut sind, aber das taktile Feedback der mechanischen Tasten nicht missen möchten.

Red Switches

Während vor knapp fünf Jahren in Europa und Amerika kaum jemand die roten Schalter genutzt hat, haben diese in den letzten Jahren deutlich an Popularität gewonnen. Die roten Switches bieten weder taktiles noch akustisches Feedback. Der Switch ist linear aufgebaut. Das heißt, dass sobald der Schalter betätigt wird, die Taste auch auslöst – anders als bei den blauen und braunen. Der Widerstand beträgt 45g.

Da kein taktiles Feedback gegeben ist, lässt sich dieser Art von Switch am ehesten mit einer Rubberdome-Tastatur vergleichen. Rote Schalter sind vor allem im asiatischen Raum die Wahl Nummer 1, da die Schalter direkt und einfach auslösen und das gerade bei schnellen Spielen wie Starcraft 2, bei denen hohe APM-Zahlen erreicht werden, sehr hilfreich ist. Nachteil ist das schnelle Auslösen beim Tippen von Nachrichten, da oft Fehleingaben passieren können.

Rote Switches sind am boomen, sind für uns aber nur die dritte Wahl nach blauen und braunen Schaltern. Das ist aber reine Geschmackssache und wer sehr leise und leicht auszulösende Tasten sucht, der ist bei den Red Switches richtig.

Black und Clear Switches

Während die schwarzen Schalter mittlerweile von den roten abgelöst wurden, sind die Clear Switches nie richtig bekannt geworden. Auf beide Schalterarten „kann“ man verzichten, da sie extrem nieschig sind. Die schwarzen bieten denselben Aufbau wie rote, nur mit 70g Widerstand und die Clear Switches sind ähnlich den brauen, aber ebenso mit mehr Widerstand.

Razer Green Mechanical Switch

Der bekannte Hersteller Razer hat eigene mechanische Switches entworfen. Wir haben ein wenig Recherche betrieben und in vielen Foren ist die gängige Meinung, dass die Switches von Kahil gebaut werden, die ebenso ihre eigenen Switches anbieten. Die Razer Switches gibt es in grün, sind aber den eigentlichen blauen von Cherry am ähnlichsten.

Besonders auffällig ist, dass es zwischen den gelben Switches von Kahil und den grünen von Razer keinerlei Unterschiede gibt, von daher kommt auch die Vermutung, dass Razer Switches „nur“ gelbe Kahil-Switches sind und marketinggerecht aufgearbeitet wurden.

Logitech Romer G Switches

Über die Eigenproduktionen von Logitech ist nicht viel bekannt, auch nichts über den Wiederstand der Tasten. Logitech wirbt mit längerer Lebensdauer und schnellerer Reaktionszeit, wirklich prüfen lässt sich das aber nur schwer. Unsere Vermutung ist, dass Logitech die Switches in einer ihrer Fabriken nachbaut und die Switches dort produzieren lässt . Die Switches lassen sich am ehesten mit den braunen Switches von Cherry vergleichen.

Steelseries Switches

Über die Switches von Steelseries ist noch weniger bekannt. 45g Widerstand erinnern an die roten Schalter und da Steelseries auch sehr stark im eSport verankert ist, macht dieser Art von Switch auch Sinn. Über Langlebigkeit gibt es noch keine zuverlässigen Resultate.

Es gibt noch zahlreiche andere Schalter. Roccat verbaut die TTC-Brown Switches, von denen wir bisher nicht überzeugt sind. Fast alle Schalter unterscheiden sicht haptisch nicht mehr viel von den Cherry Switches, die TTC-Brown sind jedoch die, die wir nicht direkt empfehlen würden.

Wir persönlich schwören immer noch auf die Cherry MX Switches, jedoch werden die Anbieter dieser immer weniger. Beispiele für Hersteller, die noch Cherry MX Switches verbauen, sind Corsair, Lioncast und Ozone.

Zusammenfassend können wir Euch empfehlen, die Switches im lokalen Handel durchzuprobieren, denn Geschmäcker sind verschieden und gerade bei mechanischen Tastaturen gibt es bei der Wahl des Switches sehr viel Auswahl.